Mit Bluetooth gegen Corona

Autofahren bei Eis und Schnee. Foto: Maria Bogdanova

An einem langen frosten Winterabend stand ich in einem kilometerlangen Stau. Die Warnleuchte ist schon frühmorgens vor der Arbeit im Cockpit angegangen, was ich unbedacht ignoriert habe. Jetzt zeigt der Bordcomputer eine kritische Restreichweite an. Die Kollegin am Telefon empfehlt mir: „Du musst alles Mögliche im Auto ausschalten: Sitzheizung, Wagenheizung, Musik“. Erbärmlich frierend habe ich das erfreulicherweise geschafft, die Tankstelle zu erreichen. Lohnte es sich? Ich bin mir noch nicht sicher. Ebenso mit dem Smartphone. Wenn wir kaum Batterieladung haben, versuchen wir zahlreiche Funktionen zu deaktivieren. Bluetooth beispielsweise. Verbraucht aber Bluetooth wirklich so viel Strom?  Laut dem Test von Android Authority verwendet Handy mit dem angeschalteten Bluetooth nur 1.8% mehr Akku als ein Smartphone mit dem deaktivierten Bluetooth-Modus. Die Autoren der Studie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Bluetooth off dem Gerät maximum 10-15 Minuten zusätzliches Batterieleben gibt.


Die Laufzeit der Handy zu sparen hilft der Standard BLE oder Bluetooth Low Energy, die im Jahr 2009 eingeführt wurde. Zwei Jahre später kam das iPhone 4S auf den Markt, das erste Smartphone, das BLE unterstützte.

Im Vergleich zum klassischen Bluetooth ist BLE so konzipiert, dass weniger Leistung verwendet wird. Gleichzeitig wird ein ähnlicher Kommunikationsbereich beibehalten. BLE ist sozusagen immer deaktiviert und nur bei Bedarf kurze Datenmengen überträgt. Dies reduziert den Energieverbrauch erheblich und eignet sich ideal, wenn eine dauerhafte Langzeitverbindung mit geringer Datenrate erforderlich ist. Die OHIOH-App ist genau dieser Fall.Gründer des Projekts OHIOH Tjark Ziehm betont, dass die Studierenden und Mitarbeiter der Fachhochschule, die App probieren möchten, keine Sorgen um den Akku machen müssen.

„Die Application braucht nicht mehr Strom als ein Paar kontaktlose Kopfhörer. Eine Tagesladung reicht, wenn es sich um ein modernes Handy handelt“, – erklärt Tjark.

Die Möglichkeiten der BLE sind eindrucksvoll. Der Standard ist in der Lage, Internet-Verkehr zu tunneln, Koordinaten in den Räumen zu identifizieren, industriell programmierbare logische Controller zu verbinden und noch viele andere Dinge.

Campus Fachhochschule Kiel. Foto: OHIOH

Das BLE-Protokoll verwendet folgendes Szenarium: seltene Datenübertragung und lange Verarbeitung. Perfekte Bedingungen für die wissenschaftliche Ziele. Das bedeutet, dass ich als Nutzer*in ganz in Ruhe mein entspannendes studentische Leben weiterführen kann. Die App sammelt inzwischen in regelmäßigen Zeitabständen die Informationen über meine Campus-Bewegungen, um den Nutzungsgrad der verschiedenen Orten in der FH genau zu differenzieren.

Im Endeffekt werden verschiedene Orte in der Fachhochschule je nach Risikoniveau genauer definiert. Das Universitätsgelände gilt in dem Fall als ideales Forschungsgebiet, wo man die richtige Herangehensweise finden kann, um die Infektionsverbreitung zu brechen.

Welche Entfernung können die Tracing-Apps IDs austauschen?

Es bleibt nur ein Problem bei der Nutzung der BLE-Apps. Die Distanz lässt sich nicht genau messen. Es gibt noch keine exakte Informationen, über welche Entfernung die Tracing-Apps IDs austauschen können. Die Einschätzungen liegen zwischen 2 und 8 Metern. Die Signalstärke hängt dabei davon ab, wo sich das Handy des Absenders befindet: in der Hand oder in der Hosentasche. Die Entwickler der OHIOH-App gehen davon aus, dass man idealerweise das Mix von verschiedenen Technologien nutzt. Deswegen werden die Entwickler bei der Forschung außer Bluetooth Low Energy noch GPS-Möglichkeiten  zusammen mit den Forschungsmethoden (Fragenkatalog) nutzen. Im Endeffekt vorbereitet das Team das passende Infektion Tracing Protokoll. Die Erstellung des eigenen Bluetooth-Protokolls, das sich besser auf den Messbereich spezialisiert, wird auch als eine mögliche Alternative angesehen. Wenn Sie das Interesse daran haben, unsere Initiative zu unterstützen, wenden Sie sich bitte direkt  an Tjark Ziehm.   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.