Weg zur Uni ohne Corona

Das Fahrrad wurde schon geparkt. Mit dem Kaffeebecher in der Hand stehe ich vor der Tür der Fachhochschule. Dann nehme ich das Handy aus der Tasche, um mich auf fh-kiel.de einzuloggen und finde den Link zur Anmeldungsseite von Campus-Research-App gegen Corona. Dieser Schritt ist freiwillig und selbstverständlich könnte ich einfach zum Seminarraum gehen. Der kürzeste Weg ist aber nicht immer der sicherste. Ich befolge diese Regeln immer in unbekannten Orten. Die Corona-Krise hat fast alle öffentliche Räume fremd und unsicher gemacht. Die Fachhochschule ist keine Ausnahme.

Fahrradabstellen, Fachhochschule Kiel. Foto: OHIOH

Wie Die App funktioniert?

Die Anmeldung  dauert nicht länger, als ein paar Minuten. Man braucht nur die Hauptinformationen wie Name, Vorname und Handynummer eingeben. Der Bestätigungslink wird automatisch zur E-Mail-Adresse gesendet. Dann schalte ich Bluetooth an und beginne meinen normalen studentischen Alltag. Die App dazwischen sammelt die Informationen, wie viele andere Nutzer ich heute getroffen habe und wo. Hätte ich beispielsweise einen Kontakt mit einer infizierten Person, bekomme ich die folgende Benachrichtigung: „Bitte suchen Sie zeitnah einen Arzt auf und besprechen das weitere Vorgehen“.    

Unsere Gesundheit in unseren Händen

Campus von der Fachhochschule Kiel. Foto: OHIOH

Es wäre bestimmt interessant zu wissen: wie sind die Studenten auf diese Idee gekommen, die Forschungs-App zu kreieren? Der Entwickler Tjark Ziehm studiert Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule in Kiel. Zusammen mit der SafePathFoundation vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat sein Team das Leben für das Projekt mit dem Namen “Our Health in Our Hands” (OHIOH) gegeben. Eigentlich war Tjark früher ein professioneller Maler, aber wegen der Probleme mit dem Arm hat er entschieden, sich in der Welt von Mathematik, Informationen und neue Technologien zu finden. Im Frühling haben Tjark und seine Kommilitonen an dem Wettbewerb  #WirVsVirus/Hackathon teilgenommen, der von der Bundesregierung organisiert wurde. Infolgedessen haben sie das Team und eine neue Forschungsgruppe an der Fachhochschule gegründet.

“Die Mitglieder kommen aus aller Welt, aus Indien, Pakistan, Nigeria, Dänemark und aus anderen Ländern”, erzählt Tjark.

Grünes Licht von Google und Apple

Am 20. Mai wurde Apple-Google API (Anwendungsprogrammierschnittstelle) vorgestellt. Ab diesem Moment haben die Unternehmen grünes Licht für die Corona-Apps gegeben. Es wurde aber vereinbart: nur eine Anwendung pro Land! „Unter solchen Bedingungen war es fast unmöglich, die Erlaubnis zu bekommen. Als deutsche App gelauncht ist, hätten wir keine Möglichkeit gehabt, diesen Bereich weiterzumachen“, erzählt Tjark. Die Anwendung von  der Fachhochschule gilt aber nicht als Konkurrenz zu den Software-Konzern SAP und fokussiert sich nur auf Forschungsfragen. Im Sommer hat das Team eine willkommene Nachricht bekommen. Die Bestätigung von Google und Apple lag auf dem Tisch.

“Ein besonderer Erfolg war, dass OHIOH eine Freischaltung für das Google/Apple Exposure Notification (GAEN) API für Forschungszwecke erhalten hat, was nur wenigen Institutionen gelungen ist”, sagt Prof. Dr.-Ing. Michael Prange, der wissenschaftliche Leiter des Projekts.

Wo liegt der Kernpunkt?

Auf dem Weg zum Campus. Foto: OHIOH

Die Universität gilt insgesamt als Austauschbereich, wo sich viele Menschen aus der ganzen Welt treffen. Deswegen bleiben noch so viele Zweifel über die Wiederöffnung der Hochschulen und die Wiederkehr zum normalen Präsenzstudium. Das Universitätsgelände ist aber dabei das ideale Forschungsgebiet, wo man die richtige Herangehensweise finden kann, um die Infektionsverbreitung zu brechen.

Die Infektion kann durch die Luft und durch die Oberfläche verbreitet werden. Wir wissen aber noch nicht genau, welche Räume in der Fachhochschule eine erhöhte Gefahr bringen. Der Fragenkatalog zusammen mit der OHIOH-Research-App helfen den Forschenden den Nutzungsgrad der verschiedenen Orten in der FH genau zu differenzieren.

Die Anwendung hat ein eigenes Warnsystem, um den Wünschen der Studenten gerecht zu werden. Die Informationen werden per Kurzfunk-Dienst Bluetooth gesammelt.

„Mit Hilfe dieser App wollen die Entwickler, das Nutzerverhalten der User zu verstehen. Die wichtigsten Daten für die Forschungsziele werden mit dem dafür entwickelten Fragenkatalog erforscht“, so laut Tjark.

Im Endeffekt werden verschiedene Orte in der Fachhochschule je nach Risikoniveau genau definiert. Am besten funktioniert die Tracing App tatsächlich, wenn viele Leute sie nutzen. An der Universität reicht es aber, wenn nur eine begrenzte Anzahl der Studenten an der Forschung teilnimmt und direkt an der Uni die App testet. Allerdings bleibt die Regel „je mehr desto besser“ bestehen. Die Entwickler können wenigstens zwei Szenarien für den Umgang mit den Infektionen anfertigen, wenn mindestens 50% der Studierenden diese App nutzen. Demgemäß bekommt die Universitätsverwaltung die Handlungsempfehlung und wird demzufolge maximal entlastet. Im Fall der bestätigten positiven Corona Tests wird von dem Nutzer nur erwartet, dass er das Sekretariat darüber informiert.

Sicherheit

Hafengebiet. Weg zur Mensa. Foto: OHIOH

Die Nutzung der App ist freiwillig. Die User müssen sich darüber hinaus keine Gedanken über die Sicherheit haben. Forschungs-App erfasst Kontakte, aber nicht persönliche Daten. Die Informationen bleiben nur an der Universität vorhanden. Für die Kontaktverfolgung nutzt die App Bluetooth Low Energy, sodass die Studenten keine Sorgen um den Akku machen müssen. „Die Application braucht nicht mehr Strom als ein Paar kontaktlose Kopfhörer. Eine Tagesladung reicht, wenn es sich um ein modernes Handy handelt“, – erklärt Tjark.

„Die App ist nur ein Mittel zum Zweck, das technische Werkinstrument, um die Ausbreitung von Infektionen und Viren innerhalb der Universität zu unterbinden“, – so laut Tajrk. Über andere Ideen von OHIOH-Team im Kampf gegen Corona erzählen wir in den nächsten Blogbeiträgen.

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